Ausstellung der Innenarchitektur-Bachelorarbeiten im Alten Rathaus in Traisa
Vom 6. bis 13. Februar 2026 wurden im Alten Rathaus Traisa die Bachelorarbeiten des Studiengangs Innenarchitektur des fba präsentiert. Zu Sehen waren 26 Abschlussarbeiten aus dem Wintersemester 2025/26, die Einblick in aktuelle Fragestellungen geben: Wie können sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Gebäude genutzt und weiterentwickelt werden, und welchen Beitrag kann ein qualitätsvolles räumliches Angebot für Zusammenleben und Gemeinschaft leisten?

Entwurfsprozess
Aufgabe der Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen unter der Betreuung von Prof. Ingo Haerlin war es, ein räumliches und inhaltliches Konzept zur Transformation des leerstehenden, denkmalgeschützten Alten Rathauses zu einem multifunktionalen Bürger- und Kulturzentrum zu entwickeln. Ziel war es, einen Ort zu entwerfen, der das Vereinsleben stärkt, Begegnung ermöglicht und die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Ort fördert.
Pläne, Modelle, Materialcollagen, Skizzen und Visualisierungen machen die Vielfalt der Entwurfsansätze sichtbar und laden dazu ein, das Alte Rathaus neu zu entdecken. Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte Gebäude und öffnet auch den Blick für bislang ungenutzte Potenziale.


Historischer Kontext
Das Alte Rathaus wurde 1866 errichtet – als Ausdruck des Selbstbewusstseins der Traisaer Bürgerschaft. Mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl auf 500 war die Voraussetzung geschaffen, ein eigenes Rathaus zu bauen – ein Symbol für Stolz, Gemeinschaft und Selbstbestimmung.
Der großzügige Rathaussaal diente zunächst als Versammlungsort des Gemeinderats und Mehrzwecksaal (unter anderem für Auktionen) und wurde bis 1906 auch als Schulsaal genutzt. Ab 1913 fanden hier evangelische Gottesdienste statt; die 1927 angeschaffte Glocke zeugt bis heute von dieser Zeit.
Seit den 1950er-Jahren entwickelte sich das ehemals landwirtschaftlich geprägte Traisa zu einer modernen Wohngemeinde. In den 1960er-Jahren wurde das Rathaus durch einen funktionalen Erweiterungsbau ergänzt, der als Versammlungsort für die verschiedenen Fraktionen diente – ein sichtbares Zeichen des bürgerlichen Engagements und der Demokratisierung in der Nachkriegszeit.
Mit der Gebietsreform von 1977 verlor Traisa zwar erneut seine Eigenständigkeit, das Rathaus blieb jedoch weiterhin Verwaltungssitz. Nach einer Zwischennutzung ab 2016 als Ausweichquartier für Kinderbetreuungseinrichtungen wird es heute überwiegend zu Lagerzwecken für Gemeinde und Vereine genutzt – eine Nutzung, die dem historischen und gesellschaftlichen Wert des Gebäudes kaum gerecht wird.


Im Rahmen des Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzepts (IKEK) wurde das Alte Rathaus daher – unter intensiver Beteiligung der Bürgerschaft – als ein Ort mit großem Potenzial und zentraler Bedeutung für die zukünftige Dorfentwicklung identifiziert.
Zur Eröffnung konnten Interessierte mit den Entwurfsverfasserinnen und -verfassern ins Gespräch kommen. Die Austellung bot Gelegenheit zum Austausch über (noch) ungenutze Potentiale und zum gemeinsamen Weiterdenken.

