Vorwort: Prof. Mathias Lengfeld, Dekan, im Januar 2013


Was macht ein Architekturstudium aus, wie vermittelt man 
das Wesentliche? Haben wir eine eigene, unverwechselbare 
Haltung, Architektur und Innenarchitektur zu lehren? Haben 
wir also eine eigene Darmstädter Schule, die durch
fächerübergreifende Gemeinsamkeiten geprägt ist?
In dieser Frage zeigt sich der Anspruch, den wir formulieren
und an dem wir uns messen lassen. Um diese Frage 
beantworten zu können, ist eine Bestandsaufnahme hilfreich,
wenn nicht sogar Voraussetzung. Die Reflexion der bisherigen
Erfahrungen sowie das Zusammentragen der unterschiedlichen
Facetten des Studiums ermöglichen eine Annäherung; die
Konfrontation der eigenen Ziele mit den tatsächlich erreichten
Ergebnissen ist gleichbedeutend mit der Überprüfung des
Konzeptes. Wenn wir unser System beschreiben wollen,
sprechen wir vom "Y-Konzept" und deuten damit an, dass zwei
Stränge zu einem gemeinsamen Weg führen, oder, wenn
man das Konzept kehrt, dass aus einem Ast differenzierte
Stränge entstehen. 

Mit dem Y beschreiben wir das Zusammenspiel


von Architektur- und Innenarchitekturausbildung. Dahinter steckt die Lust am Erweitern der Ansprüche und Fähigkeiten, eine Neugier, ein Hinterfragen: wo hört »Außen« auf, wo fängt »Innen« an? Gehört die Fassade zum Außen- oder zum Innenraum? Und was ist mit dem Platz vor dem Haus, was mit dem Garten? Letztlich sehen wir die Möglichkeit, ein klares Profil zu entwickeln, indem wir bewusst auf eine generalisierte Ausbildung setzen - die Architekturausbildung als umfassendes Studium, als Ideal eines Studium Generale. 
 
Das breite Spektrum der Lehrinhalte, angefangen mit der Architekturtheorie, Bau- und Kunstgeschichte über die Darstellung, Konstruktion, Technik und das Baumanagement bis hin zu der Beschäftigung mit den rechtlichen Aspekten des Bauens, zwingt uns – die Studierenden wie die Lehrenden – immer wieder zur Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel einzelner Komponenten. Dabei ist es gerade das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, das im besten Falle zu einem individuell herausragenden, gebauten Ergebnis führt – eine Erfahrung, die über das Studium hinaus ausgesprochen hilfreich ist. Dies zu erlernen und jederzeit zu beherzigen kann mühsam und anstrengend sein, da man sehr schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass es ausgesprochen schwierig ist, alle Aspekte des Bauens angemessen zu berücksichtigen. Gerade dieses Gefühl der Komplexität, des immer neue Fragen mit sich bringenden, birgt aber auch die Möglichkeit, die Lust an der Architektur auf Dauer wach zu halten. 

Die aktuellen Bachelor- und Masterstudiengänge gehen von geregelten Arbeitszeiten der Studierenden aus. Diesem Anspruch dürfte das mehr oder weniger ausgeprägte Gefühl entgegenstehen, dass die eigene Arbeit noch nicht fertig geworden ist, dass man im Grunde genommen weiter nach der optimalen Lösung suchen müsste. Kann man diesen Konflikt durch ein wohl ausbalanciertes Studienprogramm begegnen, ohne an Profil zu verlieren?

Seit Jahren treibt uns diese Frage um, beginnend mit der Studienreform des Diplomstudienganges, dann 2007 der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge und nun der Re-Akkreditierung als Ergebnis einer anstrengenden und ernsthaften Reflexion. Als Fazit bleibt: Die Lust an der Suche nach der bestmöglichen Lösung ist nicht systemgebunden, sie steckt in uns.

Im Vordergrund wird für uns das daher Streben nach dem Erlangen der Fähigkeit stehen, das Wesentliche in der Architektur zu erkennen, eine klare Haltung zu entwickeln und das notwendige Handwerkszeug zu erlernen, das es unseren Studierenden ermöglicht, fundiert in den Beruf zu starten und erfolgreich im Beruf zu bleiben.